König Olav

Olavs Geburt

König Olav ließ Gott als Sonne erscheinen.

Olav Haraldsson wurde im Jahr 995 als Sohn des Kleinkönigs Harald Grenske, dem Urenkel von König Harald Schönhaar, und der Königin Åsta in Vestfold geboren. Das ist eine Provinz südwestlich von Oslo. Olav hatte wundersame Augen; glänzend und durchdringend und er wusste klug und klar zu reden. Außerdem wusste er wohl mit Pfeil und Bogen umzugehen und er war umsichtig und geschickt bei jedem Handwerk. Frühzeitig war Olav in allem gereift; an Kraft und an Weisheit. Olavs Familie war heidnisch.

König ohne Land

Olav war 12 Jahre alt, als er zum ersten Male an Bord eines Kriegsschiffes ging und auf Wikinger- Fahrt kämpfend und plündernd nach Schweden, England und Frankreich fuhr. Als Olav Heer und Schiffe bekam, gaben ihm seine Leute den Namen „König“. So wurde Olav König eines Heeres, aber auch ein König ohne Land. Olavs Vater Harald lebte zu dieser Zeit nicht mehr.

Olavs erster Traum

Während dieser Raubzüge stand Olav auch als Offizier im Dienst englischer und normannischer Fürsten. Er lernte das Christentum kennen und ließ sich  1013 oder 1914 im normannischen Rouen taufen. Eigentlich plante der König eine Reise nach Palästina, aber ein Mann gebot ihm im Traum, davon zu lassen: –  „Zieh zurück zum Land deiner Geburt, denn du sollst für immer ein König von Norwegen sein.“

Olav kehrt heim

Im Jahr 1015 kehrte Olav nach Norwegen zurück und es gelang ihm, das Land unter seiner Krone zu vereinen. 1024 wurde auf einem Reichstag beschlossen, das Christentum als einzige rechtmäßige Religion in Norwegen einzuführen. Bei der Christianisierung half der englische Bischof Sigurd. Er gilt als erster Bischof von Trondheim. Olav unternahm Missionsreisen in heidnische Landesteile und trieb den Bau von Kirchen voran.

Olav muss fliehen

Viele Kleinkönige und Adelsleute sahen in Olav einen zu strengen König und versprachen sich von dem weit entfernten Dänenkönig Knut dem Mächtigen von Dänemark und England mehr persönliche Freiheiten. Deshalb ernannten sie Knut 1028 auf dem Øreting in Trondheim zum neuen König Norwegens. Olav floh daraufhin nach Kiew zu seinem Schwager, dem Großfürsten Jaroslaw von Russland.

Olavs zweiter Traum

Der König – wieder ohne Land – fand in der Fremde keine Ruhe. Im Traum erschien ihm erneut ein Mann und sprach: Fahre in dein Reich zurück und lass dich nicht durch deine Untertanen erschrecken. Eines Königs Ruhm ist, über seine Feinde zu siegen, und ein ehrenvoller Tod ist es, in der Schlacht mit seinen Kriegern zu fallen. Oder zweifelst du daran, dass du das volle Recht auf deiner Seite hast? Fahre getrost in dein Land, von dem Gott Zeugnis ablegen wird, dass es dir und deinem Volk gehört.

Olavs Märtyrertod

Mit einem kleinen Heer zog Olav nun durch Schweden nach Norwegen. In Stiklestad warteten seine Feinde in großer Übermacht. In der Entscheidungsschlacht am 29. Juli 1030 fiel der König mit einem Großteil seines hoffnungslos unterlegenen Heeres: Thorstein Schiffsbauer schlug mit einer Axt und der Schlag traf das linke Bein des Königs. Olav lehnte sich nach dieser Verwundung an einen Stein und warf sein Schwert fort. Er bat Gott um Hilfe. Nun stieß Thorir Hund mit seinem Speer nach ihm und der Stoß drang dem König in den Leib. Schließlich hieb Ralf Arnisson auf ihn und traf Olav am Hals. Durch diese drei Wunden verlor der König sein Leben.

Das Grab unter dem Dom

Thorir Hund breitete ein Tuch über den Toten und als er das Blut vom Gesicht des Königs gewischt hatte, sah er, dass die Wangen rot aussahen, als ob er schliefe, ja noch viel glänzender, als sie vorher waren, da er noch lebte.

Die Leiche des Königs wurde von christlichen Bauern heimlich nach Trondheim gebracht und dort in einer Sandbank am Ufer der Nidelva begraben. Seit dem 13. Jahrhundert wird erzählt, dass sich Olavs Grab genau dort befindet, wo heute der Hochaltar des Nidarosdoms steht.

Wundersame Ereignisse

Ein Jahr nach der verhängnisvollen Schlacht am 3. August 1031, wurde der Sarg aus dem Grab geborgen und geöffnet. Der Leichnam des Königs lag so im Sarg, als wenn er soeben gestorben wäre. Seine Haare und Nägel waren weiter gewachsen. Nach diesem und anderen wundersamen Ereignissen wurde Olav  als Märtyrer heilig gesprochen.

Gottes Werkzeug

Olavs Tod unter dem Kreuzzeichen wurde dafür gewertet, dass Gott ihn als sein Werkzeug ausgewählt hatte. In diesem Glauben wurde Norwegens Christianisierung nach Olavs Tod schnell zum Abschluss gebracht und Gläubige aus ganz Europa begannen, nach Nidaros zu pilgern.

Für Pilger bekam Nidaros eine ähnlich Bedeutung wie Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela.

Der König ist tot – es lebe der König.

Jahrhunderte hindurch symbolisierte der Heilige Olav das Königreich Norwegen. Selbst als das Land lange Jahre nur noch als Teil von Schweden und Dänemark existierte. Norwegen hat über Jahrhunderte nach Anerkennung und Freiheit gerungen. Einst sorgten die Wikinger für Ruhm und Furcht, später kamen Dänen und Schweden als Besatzer. Erst 1905 waren die Norweger endlich am Ziel; Schweden entließ das Land in die Unabhängigkeit. Bis heute sind Olavs Spuren sichtbar; die Axt, die der Löwe im norwegischen Staatswappen hält, gilt als Märtyreraxt des Heiligen Olav. Und in der norwegischen Nationalhymne heißt es: „Olav schrieb das Kreuz mit seinem Blut auf’s Land.“